Der islamistische Schlachtruf „Ihr liebt das Leben – wir lieben den Tod“ ist paradigmatisch für das Verständnis vom Tode unter Bedingungen zerfallender Subjektivität im Spätkapitalismus. Die von der kapitalistischen Gesellschaft geschaffenen aber nicht verwirklichten Glücksversprechen werden ideologisch eingestrichen, an ihre Stelle wird die Anerkennung des Elends gesetzt. Gemäß dieser Denkweise soll nicht die unmenschliche Gesellschaft in eine vernünftig eingerichtete verwandelt werden sondern vielmehr noch die letzte Sehnsucht nach einem befreiten, erfüllten und glücklichen Leben ausgemerzt werden. Dieses Denken gründet in der Geschichte der deutschen Ideologie, die sich zwischenzeitlich globalisierte. In Deutschland formierten sich bürgerliche Subjekte historisch erstmals unter dem Banner des Todes zu einer mörderischen Volksgemeinschaft. Der ideelle Bereiter und Begleiter dieses Weges war der Philosoph Martin Heidegger. Seine Sehnsucht galt, wie den heutigen Islamisten und regredierten Linken, dem so genannten Ganzen, dass er als das „Sein“ bestimmte. Dieses „Sein“, so unbestimmt und ungewiss er es ließ, bestimmte er als eines zum Tode. Der Vortrag will das Fortwirken des heideggerschen Denkens anhand des heute gerade in der politischen Linken hochgradig angesagten Poststrukturalismus Foucaults und Butlers aufzeigen, der anstatt vom Sein von “Macht”, “Diskurs” und “Dekonstruktion” spricht. Es geht dabei darum, zu zeigen, dass der Kampf gegen die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und gegen die Herrschaft von Menschen über Menschen untrennbar ist von einer Kritik derartiger Ideologien.
Ein Vortrag mit Martin Dornis
Freitag, 02.12.11 19 Uhr s.t.
Universität Marburg
Philosophische Fakultät
Wilhelm-Röpke-Str. 6, Raum 03B06
